Eisenbahnunterführung Weiherfeldstraße

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Standort
Karlsruhe, Deutschland
Jahr
2013
Wettbewerb

Konkurrierendes Entwurfsverfahren

Aufgabe:  Entwicklung Lichtkonzept in interdisziplinärer Zusammenarbeit mit Architektur und Kunst.



Architektur

Die Eisenbahnüberführung Weiherfeldstraße in Karlsruhe bietet durch die räumliche Kombination von Strassenführung und Flusslauf, auf der Albseite die einmalige Möglichkeit eine Wandinstallation zu gestalten, die für den Betrachter in einem definierten Abstand erlebbar ist. Gleichzeitig bleibt diese Wandfläche für den Passanten unerreichbar.

In Analogie zur Schwarzwaldstraße haben wir für die Weiherfeldstraße ein ähnliches Format für den Eingriff der Wandinstallation gewählt. Im übergeordneten Maßstab entsteht dadurch eine „gestalterische Klammer“ dieser beiden Stadteingänge.

Vor die konstruktiven Widerlager ist die Wandgestaltung als vorgehängte und gefaltete Wandschicht montiert. Durch die Faltung verbinden sich im schräg nach vorne gerichteten Blick, einzelne vertikale Streifen zu einem zusammenhängenden Bild. Je weiter der Betrachter direkt zur Wandfläche blickt, wirken die benachbarten vertikalen Streifen im Zusammenhang und verändern das Bild.

Die Bildgrafik selber erhält durch die Verwendung von retroreflektierenden Oberflächen eine strahlende Wirkung. Einfallendes Licht (Sonnenstrahlung oder Kunstlicht) wird präzise in Richtung der Lichtquelle zurück geworfen.

Die Oberfläche wird durch Licht in Abhängigkeit von der Position der Oberfläche, der Lichtquelle und des Rezipienten aktiviert. In einem bestimmten Moment kann die Reflexionswirkung wahrgenommen werden. Die Wandinstallation wechselt von einem passiven in einen aktiven Zustand.

Durch die parallel verlaufende Alb wird die erleuchtete Wand zudem im Wasser gespiegelt. Die bewegte Wasseroberfläche reflektiert die Stimmung in den Raum.

Auf einen Wandaufbau an der südlichen Seite haben wir auch aufgrund der sich dann einschränkenden Verkehrsräume für die Radfahrer verzichtet.

Durch die auf dieser Seite an Auslegern montierte Straßenbeleuchtung soll die Wand jedoch zusätzliches Licht in den Raum reflektieren und insgesamt zu einer angenehmen Helligkeit beitragen.



Licht

Das Licht an sich ist nicht sichtbar – es braucht ein Objekt mit dem es interagiert um sichtbar zu werden!

Dieses physikalisch notwendige Wechselspiel zur Sichtbarmachung und Modulation des immateriellen Lichts mit den individuellen Reflexions- und Transmissionseigenschaften einer jeweils beleuchteten Fläche und die daraus resultierenden vielschichtigen Wahrnehmungsbilder sind das Hauptthema des Lichtkonzeptes.

Die sich ändernden Standorte, Bewegungsrichtungen, Geschwindigkeiten und Augpunkthöhen der unterschiedlichen Tunnelnutzer und die parallel fließende Alb ergeben ein differenziertes und spannendes Lichtspiel aus z.B. gerichteten und gestreuten Reflexionen heller und dunkler Oberflächen, Retroreflexionen und Transmissionen in und an den Glaskugeln der Wandabwicklung und/oder der bewegenden Wasseroberfläche:

Die Raumatmosphäre und das Raumerlebnis entsteht maßgeblich infolge der kausalen Verbindung von Verkehrsströmen, Architektur, Wandgrafik und Licht!

Tagsüber anders als Nachts. Im Winter anders als im Sommer. Im Frühling anders als im Herbst.

Ein für den Betrachter unsichtbar im Brüstungshandlauf zur Alb hin installiertes handelsübliches LED-Linsensystem illuminiert mit präziser Lichttechnik blendfrei ausschließlich die Abmessungen der Wandinstallation mit brillanten und streulichtarmen Licht – eine aus dem gegebenen Kontext des Straßenverkehrs abgeleitete Interpretation bzw. transformierte Anwendung der Lichttechnik moderner LED-Automobilscheinwerferentwicklungen.

Die Verwendung einer kaltweißen Lichtfarbe unterstreicht dabei den schwarz-weiß Kontrast der Bildgrafik, der ebenfalls kontrastreichen Fahrbahnmarkierungen und der weiteren Architekturelemente.

Die Funktionalbeleuchtung für den Straßenverkehr folgt in Anzahl, Schaltung und Technik dem vorliegenden lichttechnischen Fachgutachten. Die Positionierung der Leuchten ist aus Gründen der freien Sicht auf die thematisch zentrale Wandgestaltung und Nutzung der südlichen Tunnelwand als Gesamtreflexionsfläche für einen helleren Gesamteindruck der Raumbegrenzungsflächen an Wandauslegern entlang der südlichen Wand gewählt. Auch hier soll eine kaltweiße Lichtfarbe eingesetzt werden.



Kunst

Heike Klussmann führt uns an gebaute und gedachte Umwelt heran. Ihre Werke sind Installationen, die sich architektonischer Referenzsysteme bedienen. Sie hinterfragen die Art und Weise, wie wir betrachten, was wir sehen und was wir sehen möchten. In diesem Sinne greift Heike Klussmann für die Eisenbahnüberführung Weiherfeldstraße in Karlsruhe die konkrete Situation des Ortes mit ihren architektonischen Detailstrukturen und Leitsystemen auf. Heike Klussmann entwickelt aus der Systematik der Orientierung gebenden Verkehrszeichnung eine spezifische Wandzeichnung, die die Organisation des Raumes aus der Perspektive des Betrachters thematisiert.

Im Vorübergehen oder Vorbeifahren mäandert der Blick durch das Systeme aus aneinander anschließenden Gefügen und stellt so eine Topographie des Ortes auf, die mit der Bewegung des Betrachters in eine Multiperspektivität aufbricht. Die Größe der Fläche erfordert unsere Bewegung, das Bild wird zur Filmsequenz. Ständig wechselnde ‘Einstellungen’ fordern unser Sehen und Denken, unsere Fähigkeit zur Reflexion. Am Ein- und Ausgang wird der Blick wieder zurück zum Ganzen geführt: große Linienelemente lösen sich aus der Fläche, werden wieder zu einer autonomen Einzelform.

Wir beobachten, wie unterschiedliche Standpunkte unsere Wahrnehmung qualitativ verändern.

Unser erster Blick sowohl im architektonischen als auch im Bildraum ist Orientierung. In der Eisenbahnüberführung Weiherfeldstraße sehen wir ein Bild, das uns nur aus einer Perspektive eine Orientierung ermöglicht. Es verweigert die Konstituierung eines festen erschließbaren Gebildes. Stattdessen weitet sich der Dialog zwischen schwarz und weiß, zwischen Fläche und Form auf ein komplexes Zwiegespräch von Raum und Bild aus.

Der Blick des Betrachters in Bewegung des Passanten wird zum Bild konstruierenden Moment.

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